Regenwasser · Veröffentlicht am 27. September 2026

Zu klein – und die Zisterne ist nach dem ersten Regen voll, während du in der Trockenperiode auf dem Trockenen sitzt. Zu groß – und du zahlst für Volumen, das du nie ausschöpfst. Die richtige Zisternen-Größe zu finden ist keine Raketenwissenschaft, aber es braucht ein paar Zahlen und etwas Rechnen.

In diesem Artikel erkläre ich dir, wie du die passende Zisternen-Größe berechnest: Welche Faktoren zählen, welche Formel du brauchst, woher du die nötigen Werte bekommst – und was die Praxis abseits der Theorie lehrt.

Warum die richtige Größe so wichtig ist

Eine Zisterne ist eine langlebige Investition. Sie ist einmal eingebaut und danach schwer zu erweitern. Eine falsch dimensionierte Anlage bedeutet:

  • Zu klein: In Trockenzeiten läuft der Tank leer, du musst auf Leitungswasser umschalten. Der Nutzungsgrad sinkt.
  • Zu groß: Hohe Kosten für ungenutzte Kapazität. Wasser kann in sehr langen Trockenzeiten kippen (Qualitätseinbußen bei langer Stagnation).

Das Ziel: Ein Tank, der groß genug ist, um Trockenphasen zu überbrücken, und klein genug, um sich wirtschaftlich zu rechnen.

Die Berechnungsformel für die Zisternen-Größe

Die Grundformel ist einfach:

Zufluss (Liter/Jahr) = Dachfläche (m²) × Abflussbeiwert × Jahresniederschlag (mm/m²)

Und der Bedarf:

Bedarf (Liter/Jahr) = Tagesverbrauch (Liter) × Nutzungstage

Die optimale Zisternen-Größe liegt irgendwo zwischen einem Viertel und der Hälfte des jährlichen Bedarfs – als grobe Faustregel. Sie soll die durchschnittliche Trockenperiode überbrücken, aber nicht den Jahresbedarf auf einmal speichern.

Schritt 1: Dachfläche bestimmen

Die Grundfläche deines Dachs (nicht die Schrägfläche des Dachziegels!) ist die entscheidende Größe. Gemessen wird die horizontale Projektion: der Bereich, den das Dach am Boden abschattet.

Wie ermittelst du sie?

  • Grundrissplan des Hauses (oft in Bauunterlagen)
  • Messung der Außenabmessungen des Gebäudes (Länge × Breite)
  • Katasterauszug oder Bebauungsplan

Beispiel: Ein Haus mit 12 m × 9 m Grundfläche hat eine Dachfläche von 108 m².

Wichtig: Nutze nur die Dachfläche, die auch wirklich an die Zisterne angeschlossen wird. Nicht jedes Fallrohr muss angekoppelt sein.

Schritt 2: Abflussbeiwert wählen

Das Regenwasser, das vom Dach kommt, ist nie hundert Prozent des gefallenen Regens. Verluste entstehen durch Verdunstung, Benetzung und Spritzwasser. Dafür gibt es den Abflussbeiwert (auch: Abflusskoeffizient):

Dachtyp Abflussbeiwert
Ziegeldach (Ton, Beton) 0,80–0,85
Metalldach (Stahl, Aluminium, Kupfer) 0,80–0,90
Schieferdach 0,75–0,85
Bitumenpappe / Flachdach 0,75–0,85
Begrüntes Dach (extensiv) 0,15–0,40
Begrüntes Dach (intensiv) 0,05–0,20

Für ein normales Ziegeldach nimmst du 0,80 als soliden Schätzwert.

Schritt 3: Jahresniederschlag deines Standorts

Den durchschnittlichen Jahresniederschlag für deinen Standort findest du:

  • Deutscher Wetterdienst (dwd.de): Klimadaten, Niederschlagskarten, auch nach Postleitzahl suchbar
  • KOSTRA-DWD: Detaillierte Starkniederschlagsdaten (eher für Planer)
  • Wikipedia: Artikel zu deiner Stadt oft mit Klimatabelle
  • Lokale Wetterstation: Wetterdienste in deiner Region

Typische Jahreswerte in Deutschland:

Region Jahresniederschlag (mm)
Norddeutschland (Küste) 600–800 mm
Mitteldeutschland 550–750 mm
Bayern (Alpenvorland) 900–1.200 mm
Schwarzwald / Erzgebirge 800–1.600 mm
Trockengebiete (Thüringisches Becken) 450–550 mm

Ein mm Niederschlag auf einem Quadratmeter Fläche entspricht genau 1 Liter Wasser.

Schritt 4: Zufluss berechnen – Beispiel

Annahmen:

  • Dachfläche: 100 m²
  • Abflussbeiwert: 0,80
  • Jahresniederschlag: 650 mm

Zufluss = 100 m² × 0,80 × 650 L/m² = 52.000 Liter pro Jahr

Das sind rund 52 m³ – eine respektable Menge.

Berücksichtige auch Filterverluste: Ein guter Vorfilter schluckt etwa 3–5 % des Wassers. Realistischer Zufluss also eher 50.000 Liter.

Schritt 5: Bedarf ermitteln

Gartenbewässerung

Der Wasserbedarf im Garten hängt stark von Größe, Pflanzenbestand und Klimazone ab. Richtwerte:

  • Gemüsegarten (30 m²): 1.500–3.000 Liter pro Saison
  • Rasenfläche (100 m²): 6.000–15.000 Liter pro Saison (in Trockenjahren oben)
  • Blumenbeet + Sträucher (50 m²): 1.000–2.500 Liter
  • Bewässerung mit Tröpfchensystem: deutlich sparsamer als Beregnung

Für einen typischen Garten von 300–500 m² Gesamtfläche mit Rasen, Beeten und Gemüse: 8.000–20.000 Liter pro Saison.

Hausnutzung (WC + Waschmaschine)

Wenn du das Regenwasser auch im Haus nutzen willst, steigt der Bedarf stark:

  • WC-Spülung: Ca. 35–40 Liter pro Person und Tag (bei 6-Liter-Spülkasten, ca. 5–6 Mal täglich)
  • Waschmaschine: Ca. 50–60 Liter pro Waschgang, ca. 3–4 Mal pro Woche

Für einen 4-Personen-Haushalt ergibt sich:

  • WC: 4 Personen × 40 L/Tag × 365 = ca. 58.000 Liter/Jahr
  • Wäsche: 4 Waschgänge/Woche × 55 L × 52 = ca. 11.440 Liter/Jahr
  • Gesamt: rund 70.000 Liter pro Jahr nur für WC und Wäsche

Das ist mehr, als ein typisches Hausdach liefert. Hier ist eine Zisterne sinnvoll, aber sie wird das Trinkwasser nicht vollständig ersetzen – sie reduziert den Trinkwasserverbrauch um je nach Standort 30–60 %.

Die Faustformel für die Zisternen-Größe

Es gibt verschiedene Faustformeln – die bekannteste und praxiserprobte lautet:

Zisternen-Größe = (jährlicher Bedarf ÷ 12) × Trockenperiode in Wochen

Oder anders:

Zisternen-Größe = 1/4 bis 1/2 des Jahresbedarfs

Für reine Gartenbewässerung (10.000 Liter Jahresbedarf) wären das 2.500–5.000 Liter – typische Zisternengrößen für den Garten.

Für Hausnutzung mit 70.000 Litern Jahresbedarf sind 5.000–10.000 Liter sinnvoll – mehr lohnt sich selten, weil die Zisterne bei sehr großem Behälter in Trockenzeiten trotzdem leer läuft.

Typische Zisternengrößen und wofür sie passen

Volumen Typisches Einsatzszenario
1.500–2.000 L Kleiner Garten, Terrassenbewässerung, Ergänzung zur Regentonne
3.000–4.000 L Mittlerer Garten (bis 300 m²), reine Gartenbewässerung
5.000–6.000 L Größerer Garten (bis 500 m²), alternativ: kleines Haus mit WC-Nutzung
7.500–10.000 L Garten + Hausnutzung (WC, Wäsche) für 2–3 Personen
10.000–15.000 L Garten + Hausnutzung für 4+ Personen, große Gartenflächen
>15.000 L Landwirtschaft, Gewerbe, sehr große Anlagen

Praktischer Schnell-Rechner

Du kannst mit diesem Ablauf in wenigen Minuten zu einer Empfehlung kommen:

  1. Dachfläche messen: z.B. 80 m²
  2. Abflussbeiwert wählen: z.B. 0,80 (Ziegel)
  3. Niederschlag nachschlagen: z.B. 700 mm/Jahr für deinen Ort
  4. Zufluss berechnen: 80 × 0,80 × 700 = 44.800 Liter/Jahr
  5. Bedarf schätzen: z.B. Garten + WC = 20.000 Liter/Jahr
  6. Begrenzenden Wert nehmen: min(44.800, 20.000) = 20.000 Liter nutzbar
  7. Zisternen-Größe: 20.000 ÷ 4 = 5.000 Liter (für ca. 3 Monate Autonomie)

Wenn Zufluss deutlich über dem Bedarf liegt (Süddeutschland, großes Dach, kleiner Garten), ist eine kleinere Zisterne ausreichend – der Tank läuft ohnehin die meiste Zeit voll.

Wenn der Bedarf den Zufluss übersteigt (Trockenstandort, große Flächen), hilft eine größere Zisterne nur begrenzt – das Wasser kommt schlicht nicht rein.

Puffervolumen und praktische Hinweise

Plane immer einen Puffer von 10–20 % oben (für Überlauf und Filter) und berücksichtige:

  • Totvolumen: Das unterste Wasservolumen am Boden ist nicht nutzbar (Schlamm). Kalkuliere 50–100 Liter Totvolumen ab.
  • Überlauf: Jede Zisterne braucht einen Überlauf für das Wasser, das nicht mehr aufgenommen wird.
  • Saisonalität: Regen fällt nicht gleichmäßig. Eine Zisterne, die im April überläuft, kann im August leer sein.

Profitipp: Für die Zukunft planen

Wenn du weißt, dass du in einigen Jahren mehr Wasser nutzen möchtest (Garten wächst, Hausnutzung kommt dazu), ist es meist günstiger, gleich eine Nummer größer zu kaufen, als später eine zweite Zisterne einzubauen. Die Erdarbeiten machen den größten Kostenblock aus – die Mehrkosten für einen größeren Behälter sind im Vergleich gering.

Faustformel: Kaufe die nächstgrößere Standardgröße über deiner Berechnung – es kostet selten viel mehr, gibt dir aber deutlich mehr Reserve.

Fazit

Die richtige Zisternen-Größe findest du mit vier Schritten: Dachfläche, Abflussbeiwert, Jahresniederschlag, Bedarf. Die Formel ist einfach, die Werte sind leicht zu finden. Für einen normalen Gartenbetrieb in Deutschland liegen die meisten Haushalte gut mit 3.000–6.000 Litern. Wer das Wasser auch im Haus nutzen will, sollte mindestens 6.000–10.000 Liter einplanen.

Wenn du dir unsicher bist: Lieber eine Nummer größer als zu eng kalkuliert. Eine Zisterne, die regelmäßig leer läuft, verfehlt ihren Zweck.

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