Ollas existieren seit über 4000 Jahren. Im alten China, in Nordafrika und in der amerikanischen Sonora-Wüste haben Bauern ungefrorene, poröse Tontöpfe in die Erde vergraben und befüllt – die Töpfe gaben das Wasser langsam durch ihre Wände ab und versorgten die Pflanzen ringsherum über Tage hinweg. Kein Pumpen, kein Schlauch, kein Strom. Nur Ton, Wasser und Physik.
Was klingt wie ein archäologisches Relikt, ist heute einer der effizientesten Wege, Gartenpflanzen in trockenen Phasen zu versorgen. Und du kannst ein einfaches System für wenige Euro selbst bauen.
Wie funktioniert die Olla-Bewässerung?
Das Prinzip ist einfach: Unglasierte Tontöpfe sind mikroporös – das Wasser dringt langsam durch die Poren in den umgebenden Boden. Wie schnell, hängt davon ab, wie trocken die Erde um den Topf herum ist. Ist der Boden feucht, fließt fast kein Wasser durch. Ist er trocken, steigt der Druck und mehr Wasser tritt aus.
Das ist ein natürlicher Regelkreis: Die Pflanze erhält genau so viel Wasser, wie sie gerade braucht. Kein Unter- und kein Übergießen.
Die Vorteile gegenüber normalem Gießen:
- Bis zu 70 % weniger Wasserverbrauch als konventionelles Gießen
- Keine Verdunstung von der Oberfläche
- Keine nassen Blätter – weniger Pilzkrankheiten
- Keine Bodenverdichtung durch Gießstrahlen
- Pflanzen wachsen aktiv auf die Feuchtigkeit zu – tiefere Wurzeln
Der einzige Nachteil: Die Kapazität ist begrenzt. Du musst regelmäßig nachfüllen, auch wenn das seltener passiert als beim normalen Gießen.
Welche Töpfe sind geeignet?
Die entscheidende Eigenschaft ist unglasiert. Glasierte Tontöpfe lassen kein Wasser durch – sie sind für Ollas ungeeignet. Einfache, günstige Terrakotta-Töpfe aus dem Baumarkt oder Gartencenter sind ideal.
Typische Olla-Varianten:
Variante 1: Zwei Tontöpfe zusammenkleben
Die klassische DIY-Methode: Zwei gleich große Tontöpfe werden mit den Öffnungen zusammengeklebt, sodass ein geschlossener Hohlkörper entsteht. Das Loch im Boden des oberen Topfes dient als Befüllöffnung. Das Loch im Boden des unteren Topfes wird mit einem Korken oder wasserfestem Kleber verschlossen.
Das Ergebnis ist ein ei- oder linsenförmiger Behälter, der im Boden vergraben wird.
Benötigtes Material:
- 2 gleich große Terrakotta-Töpfe (z. B. 2 × Größe 15 oder 2 × Größe 18)
- Wasserbeständiger Kleber (z. B. Silikon oder spezieller Terrakotta-Kleber)
- 1 Korken passend zur Bodenlochgröße
- Optional: wasserfeste Dichtung
Variante 2: Fertige Olla-Körper
Im Fachhandel und online gibt es fertig geformte Olla-Körper aus unglasiertem Ton, oft tropfen- oder kugelförmig mit einem schmalen Hals zum Befüllen. Sie sind dichter gefügt als Blumentopf-Ollas und geben das Wasser etwas gleichmäßiger ab.
Kosten: 15–40 Euro pro Stück, je nach Größe.
Variante 3: Einfache Tontöpfe ohne Boden-Verschluss
Wer es ganz einfach mag: Ein einzelner Tontopf mit dem Boden nach unten in die Erde gesteckt. Das offene Ende zeigt nach oben (für den einfachen Zugang zum Befüllen), das Loch im Boden unten ist verschlossen oder zeigt direkt in den Boden. Diese Variante ist weniger effizient, aber simpel und funktioniert trotzdem.
Ollas selber bauen: Schritt für Schritt
Was du brauchst
- 2 Tontöpfe derselben Größe (gut geeignet: Topfgröße 15–20 cm Durchmesser)
- Wasserbeständiges Silikon oder Terrakottakleber
- Einen passenden Korken (für das Bodenloch)
- Wasser zum Testen
- Optional: Terrakottafarbe für Markierungen
Schritt 1: Böden zusammenfügen
Reinige die Ränder der Topföffnungen. Trage rundum einen gleichmäßigen Streifen Silikon auf den Rand des ersten Topfes auf. Presse den zweiten Topf mit seiner Öffnung dagegen und halte fest. Lass 24 Stunden aushärten.
Schritt 2: Bodenlöcher behandeln
Ein Bodenloch (das des “unteren” Topfes, das im Boden liegt) wird von innen mit einem Korken oder etwas Silikon verschlossen. Das andere Bodenloch (das des “oberen” Topfes) bleibt offen – das ist die Befüllöffnung.
Schritt 3: Dichtigkeitstest
Stelle die fertige Olla in ein Becken Wasser. Sie sollte langsam Feuchtigkeit durch die Wände abgeben, aber nicht schnell ausrinnen. Wenn sie in 24 Stunden kaum leer wird, ist sie zu dicht oder falsch montiert. Wenn sie innerhalb weniger Stunden leer ist, ist die Verbindung undicht – nochmals Silikon nacharbeiten.
Schritt 4: Eingraben
Grabe ein Loch so tief, dass die Olla vollständig im Boden sitzt – nur die Befüllöffnung ragt heraus. Der ideale Abstand zu den nächsten Pflanzen: 20–30 cm. Decke den Hals nach dem Befüllen mit einem Stein oder einem kleinen Tontopfscherben ab, um Verdunstung und Insekten zu verhindern.
Wo eignen sich Ollas im Garten?
Ollas funktionieren am besten, wenn die Pflanzen nah genug sind, um von der Feuchtigkeit zu profitieren. Ein einzelnes Olla-Körper in mittlerer Größe (3–5 Liter Fassungsvermögen) versorgt eine Fläche von etwa 50 × 50 cm, also einen Radius von ca. 25 cm.
Besonders geeignet:
- Hochbeete: Die erhöhte Lage und lockere Erde trocknen schnell – Ollas gleichen das sehr gut aus. Ein Hochbeet von 1,2 × 2 m braucht 4–6 Ollas.
- Tomaten und Paprika: Beide profitieren enorm von gleichmäßiger, wurzeltiefer Feuchtigkeit. Eine Olla pro Pflanze ist ideal.
- Kürbis und Zucchini: Großflächige Pflanzen, die viel Wasser brauchen. Mit einer größeren Olla (5–8 Liter) ist eine Pflanze gut versorgt.
- Reihenkulturen im Beet: Zwischen Salat oder Bohnenreihen eingegraben versorgen Ollas mehrere Pflanzen gleichzeitig.
Weniger geeignet:
- Rasenflächen (zu viele Stellen, zu aufwendig)
- Einjährige Blumenkästen (zu klein, zu viele Pflanzen auf engem Raum)
- Töpfe und Kübel (keine Möglichkeit, einzugraben)
Wie oft befüllen?
Das hängt von der Hitze, der Bodenart und den Pflanzen ab. Als Richtwert:
| Bedingungen | Füllintervall |
|---|---|
| Kühle, bewölkte Periode | Alle 5–7 Tage |
| Normaler Sommertag (25 °C) | Alle 3–4 Tage |
| Hitzewelle (30–35 °C) | Alle 1–2 Tage |
Eine 3-Liter-Olla gibt in der Sommerhitze etwa 1,5–2 Liter pro Tag ab. Je größer die Olla, desto seltener das Nachfüllen.
Praktischer Trick: Befülle die Olla immer zusammen mit der Regentonne auffüllen oder dem wöchentlichen Gießrundgang. Wenn du merkst, dass eine Olla häufiger leer ist als die anderen, ist sie entweder größer dimensioniert oder sitzt in einer besonders trockenen Zone.
Ollas pflegen und winterfest machen
Im Herbst: Leere die Ollas vollständig, bevor der erste Frost kommt. Wasser im Ton friert aus und kann den Topf sprengen. Nimm sie aus der Erde oder lass sie eingebuddelt, aber leergepumpt.
Reinigung: Kalk und Algen setzen sich im Ton ab und können die Poren verringern. Reinige die Ollas einmal pro Saison mit verdünntem Essig (1 Teil Essig, 10 Teile Wasser), spüle gründlich nach.
Risse prüfen: Haarfeine Risse im Ton sind oft kein Problem – manchmal verbessern sie sogar die Wasserdurchlässigkeit. Größere Risse, die die Struktur schwächen, solltest du mit Silikon abdichten oder den Topf ersetzen.
Ollas kaufen oder selbst bauen: Was lohnt sich?
| Selbst gebaut | Gekauft | |
|---|---|---|
| Kosten | 3–10 Euro (2 Tontöpfe + Silikon) | 15–40 Euro |
| Qualität | Variabel, abhängig von Topfqualität | Gleichmäßig, speziell für Ollas gefertigt |
| Größe | Frei wählbar | Begrenzte Auswahl |
| Haltbarkeit | 3–10 Jahre | 5–20 Jahre |
Für den Einstieg sind zwei selbst gebaute Ollas ideal – zum Testen und um zu sehen, ob die Methode für deinen Garten funktioniert. Wer überzeugt ist und mehr einbauen will, lohnt sich der Kauf fertig geformter Olla-Körper, die gleichmäßiger arbeiten.
Ollas und Regenwasser: eine perfekte Kombination
Wer eine Regentonne hat, kann die Ollas direkt damit befüllen – Regenwasser ist kalkärmer und setzt die Poren des Tons weniger zu als hartes Leitungswasser. Eine kleine Kelle, Kanne oder Schlauch reicht.
Wer etwas Aufwand nicht scheut: Ollas lassen sich mit einem kleinen Schwerkraft-System aus einer erhöhten Tonne automatisch befüllen. Ein Schlauch mit kleinem Hahn verbindet die Tonne mit den Ollas – das Wasser läuft nach, wenn der Pegelunterschied besteht. Keine Pumpe nötig.
Erfahrungsbericht: Was funktioniert und was nicht
Was funktioniert sehr gut:
- In trockenen, sandigen Böden sind Ollas besonders effektiv, weil das Wasser dort schnell vom Ton aufgenommen wird
- Für Tomaten und Paprika ist es die schonendste Bewässerungsmethode – konstante Feuchtigkeit ohne Überwässerung
- Im Hochbeet sparen gut platzierte Ollas tatsächlich 50–60 % Gießaufwand
Was weniger gut funktioniert:
- In sehr tonhaltigen, schlecht drainierenden Böden verteilt sich das Wasser schlecht und der Effekt ist geringer
- Bei zu großem Pflanzenabstand (mehr als 30 cm) reicht der Feuchtigkeitsradius nicht aus
- An sehr heißen Standorten (Südfassade, gepflasterter Boden) reicht eine kleine Olla kaum für einen Tag
Fazit: Alte Methode mit moderner Berechtigung
Ollas sind kein Hype und keine Spielerei – sie funktionieren, und zwar gut. Die Methode ist nachhaltig, sparsam und pflegeleicht. Der Aufwand beim Eingraben und gelegentlichen Befüllen ist minimal im Vergleich zum täglichen Gießen.
Wenn du deinen Gemüsegarten oder dein Hochbeet besser durch den Sommer bringen willst, ohne täglich zu gießen oder eine Automatik zu installieren, sind Ollas eine ernsthafte Option. Ein erster Test mit zwei selbst gebauten Töpfen kostet kaum etwas – und zeigt dir schnell, ob die Methode in deinem Boden und mit deinen Pflanzen funktioniert.
Hinweis: Mit Sternchen (*) markierte Links sind Affiliate-Links. Kaufst du darüber ein, erhalte ich eine kleine Provision. Für dich ändert sich der Preis nicht.